Pro & Contra Hamburg

Wenn sich die Stadt Hamburg über eines nicht beschweren kann, dann ist es mangelnde Beliebtheit bei angehenden Rechtsreferendar/innen. Hier gibt es die längsten Wartezeiten und hohe Zugangsvoraussetzungen. Im Vergleich zu Bremen etwa stellt Hamburg zehn Mal (Bremen 60, Hamburg 600) soviele Referendar/innen jedes Jahr ein.

 

Nachteile:

  • Finanzielle Einschränkungen: Hamburg ist bei der Unterhaltsbeihilfe mit aktuell 988,38 € (rückwirkende Erhöhung zum Januar 2017 auf 1.006,17 €; Auszahlung ab Oktober) bundesweit eins der am schlechtesten bezahlenden Bundesländer. Dazu kommt eine der bundesweit strengsten Zuverdienstregelungen - eine hälftige Anrechnung ab 550 € (ab dem 1.10.2017 519,18 €). Gleichzeitig ist Hamburg eine der teuersten Städte Deutschlands, insbesondere im Hinblick auf Mietkosten.

Vorteile:

  • Kurze Wege: In Hamburg als Stadtstaat ist gegenüber den Flächenländer jedes Gericht in maximal einer Stunde erreichbar. Die AGs und oftmals auch einige Stationen spielen sich rund um den Sievekingplatz herum ab, in dessen Nähe auch die Personalstelle liegt. Viele Arbeitsgemeinschaften finden in der Regel in der Innenstadt statt.
  • Große Gestaltungsmöglichkeiten: Das Referendariat in Hamburg bietet mit zwei Wahlstationen und großzügigen Möglichkeiten für Stationen außerhalb Hamburgs und Deutschlands viel Gestaltungsspielraum. Ebenso ist es möglich, die Reihenfolge einiger Stationen zu ändern. Die Zivilstation am Gericht kann (und muss) frei gewählt werden, die Anwaltsstation kann aufgeteilt werden. Schließlich gibt es die Möglichkeit, für die Fertigstellung eurer Dissertation Sonderurlaub zu beantragen.
  • Flexible Klausurvorbereitung: In Hamburg könnt ihr zu einem beliebigen Startzeitpunkt über den A-Klausurenkurs in das Klausurenschreiben einsteigen und dies im B-Klausurenkurs vertiefen, ohne zu bestimmten Terminen verpflichtet zu sein. Zudem gibt es regelmäßige Probeexamina.
  • Attraktive Ausbildungsstationen: Von zahlreichen großen Sozietäten über führende Unternehmen bis hin zu einer Bundesbehörde und zum Internationalen Seegerichtshof ist in Hamburg vieles möglich.

Besonderheiten:

  • Die Zivilstation dauert in Hamburg nur drei Monate, was im Hinblick auf die Bedeutung dieses Rechtsgebiets im Zweiten Staatsexamen eher kurz ist. Wegen der zwei Wahlstationen sind auch andere Stationen kürzer als anderswo.
  • Die Strafstation kann nicht nur bei der Staatsanwaltschaft, sondern auch am Gericht stattfinden.
  • In der Straf- und Zivilstation finden im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine begleitenden AGs, sondern nur einführende Kurse statt.
  • In Hamburg gibt es im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern (noch) kein E-Learning-System (ELAN-REF). Ebenso wenig gibt es kostenlosen oder vergünstigten Zugang zu juristischen Datenbanken wie juris.
  • In Hamburg gibt es – etwa im Gegensatz zu Berlin – keine Kurse zu Schlüsselqualifikationen (dafür aber ein breites Angebot an Wahlpflicht-AGs).
  • Das Zweite Staatsexamen umfasst acht Klausuren, davon stammen die Hälfte aus dem Zivilrecht.